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Festrede von Ortsvorstehre Bernd Ritter:
Grillhütteneinweihung „Semmethütte am 7.9.2008
Meine Damen und Herren, liebe Altenstädter, sehr verehrte Gäste, Herr Stadtverordnetenvorsteher Mike Gerhold, Herr Bürgermeister Stefan Hable,
liebe Helfer und Sponsoren,
Hier stehen wir nun, endlich, vor unserer Grillhütte. Also ein freudiger Tag. Aus Stift und Papier wurde Holz und Stein, aus Ideen wurde Materielles, aus Geld und Manneskraft eine
Hütte. Ob nun GrillHÜTTE oder HAUS, darüber kann man streiten, die Definition ist hier nicht so eindeutig. Ich freue mich – und das möchte ich auch im Namen der Projektgruppe Grillhütte, des Ortsbeirates und
der Verein sagen – dass wir heute hier mit einer kleinen Einweihungszeremonie und einem Grillfest feiern können. Es war ein langer und teilweise auch beschwerlicher Weg. Das war aber im Grunde genommen
nicht unvorhersehbar, war es doch ein besonderes Projekt mit besonderen, neuen Vorzeichen. Und vielleicht war es auch etwas typisch für die Menschen in diesem Ort, in Altenstädt, dass man eine Idee einfach in
Angriff genommen hat, Bedenkenträger beschwichtigte und einfach loslegte. Lassen Sie mich kurz auf den Werdegang des Projektes eingehen: Die Beweggründe: -bereits in 1982 und 1991 gab es Initiativen
zum Bau eine Grillhütte, scheiterten aber. Ende der 90er gab es wieder eine Diskussion, insbesondere der Standort unterhalb des Sportplatzes fand aber keinen Anklang -im Semmet finden und fanden schon viele Fest
statt: Kirmes, Feuerwehrverbandstage, Zeltlager, Osterfeuer. Und immer mussten Toilettenwagen herangeschafft werden, die Kosten und Entsorgungsprobleme verursachten und auch arbeitsaufwendig waren.
Der neue Anstoß: Am 27.10.2003 (!) entschied der Ortsbeirat – bei einer Enthaltung - das Projekt anzugehen. Bereits am 6.5.2007 wurde Richtfest gefeiert. Das mit dem „bereits“ war natürlich Spaß, denn dazwischen
lagen noch viele Stolpersteine und auch viel Arbeit.
Das Konzept: Unsere Stadt ist finanziell – milde ausgedrückt – nicht gut betucht. Die Gründe hierfür stehen hier und heute nicht zur Debatte.
Aber allen Beteiligten war klar, dass eine finanzielle Beteiligung der Stadt, geschweige denn eine Vollfinanzierung inklusive Folgekosten nicht möglich sein würde. Das heißt kurz gefasst: Die Grillhütte sollte in
Eigenleistung und aus eigenen Finanzmitteln erstellt und anschließend selbst bewirtschaftet werden. „Lediglich“ – in Anführungszeichen, da sehr wichtig - Bauholz hoffte man von der Stadt aus dem Stadtwald
geliefert zu bekommen.
Die Durchführung: Eine Projektgruppe wurde gegründet, um die Realisierung zu prüfen und das Konzept umzusetzen. Mitglieder waren/ sind: Hans Franke, Dieter Wiegand, Helmut
Reitze, Klaus Simshäuser, Willi Gerhold, später Manfred Pfennig, Heinrich Lapp, Axel Römer, Werner Gerhold, Ralf Döring, Arnold Henkelmann, Christian Illing und meiner Wenigkeit. Die ersten Gespräche wurden mit
der Stadt, dem Bürgermeister und den Stadtwerken, geführt, vom Magistrat die Grundsatzzusage eingeholt sowie Gespräche mit den Planungsbehörden geführt. Anschließend wurden die Vereine abgefragt, ob sie finanziell
in Form von Spenden oder Darlehen das Projekt unterstützen würden. Nach Zusagen und i.O. durch die Stadt wurde im Namen der Stadt Naumburg eine Bauvoranfrage gestellt – die Zeichnung hierfür hatte Heinrich Lapp
erstellt und Reiner Arend stand beratend zur Seite. Dann wurden Grillhütten im Umkreis besucht. Inzwischen wurde der Bau genehmigt, auch naturschutzrechtlich, was nicht einfach war. Noch schwieriger aber waren
die Gespräche mit dem Magistrat, obwohl inzwischen die Holzbelieferung zugesagt wurde. Nach vielen Beratungen – inzwischen war fast ein Jahr vergangen - hatte der Magistrat auch eine Vereinbarung gefunden, auf
der der Grillhüttenbau und -betrieb basieren sollte. Zuvor musste sogar der bereits bestellte Bagger wieder abbestellt werden, da der Magistrat noch immer mit der Zustimmung haderte. Ein schöner Punkt für das
Projekt aber war im Oktober 2005 erreicht, als das Kirmesteam über 5.000€ spendete. Überhaupt stand der Finanzplan auf wackeligen Füßen, doch immer wieder taten sich Finanzquellen auf in Form von Spenden oder
z.B. Preisgeldern aus dem „Wettbewerb Unser Dorf“. Am 17.5.2006 war es dann endlich so weit: der Bagger durfte diesmal loslegen, das Loch für die Fäkaliengrube wurde gehoben. Nun legte also Werner
Gerhold, Bauleiter, unterstützt von einigen Projektmitgliedern wie Arnold Henkelmann und Helmut Reitze, mit der Akquirierung von am Ende über 80 Helfer, die wir hier jetzt nicht alle nennen, und über 20
unterstützenden Firmen, los. Ende 2006 war der Rohbau fertig und durfte überwintern. Am 4.5.2007 dann endlich das Richtfest, nachdem das Gebäude durch die Firma Arend unter Hilfestellung vieler Helfer
gerichtet war. Man kennt das, der Rohbau steht, aber es ist noch viel zu tun. So wurde es vor der Kirmes Ende August noch einmal eng, das Gebäude samt Toiletten wurde in letzter Minute bezugsfertig, noch schnell
grundgesäubert vom Kirmesteam, so dass vom 30.8.-2.9.2007 die Grillhütte ihre erste Feuerprobe überstehen musste. Die Hütte diente insbesondere als Rückzugsraum für das Kirmesteam und VIP-Raum für die Bands. Im
September erklärte sich Werner Gerhold bereit, den Hausmeisterposten für das Gebäude ehrenamtlich zu übernehmen, somit wurde der „Vater der Grillhütte“ auch sein erster Verwalter. Bisher macht er das noch völlig
ohne Aufwandsentschädigung, dafür mit viel Aufregung, denn die nun einsetzenden doch umfangreichen Vermietungen kosten schon einiges an Zeit und wahrscheinlich auch Nerven. Hier werden wir übrigens noch über eine
Regelung reden müssen. Immer wieder trafen sich Mitglieder der Projektgruppe und auch die Vereinsvertreter, um über den Fortgang und die Finanzierung zu reden. Im Oktober gaben die Vereinsvertreter grünes Licht:
es gab einen finanziellen Nachschlag aus dem Topf des 1175-Jahrfeier-Überschuses, denn nicht alle Kosten blieben in dem kalkulierten Rahmen. Nun traten auch der Magistrat und die Stadtverwaltung wieder in Aktion,
denn die ursprüngliche Regelung schien nicht ausreichend zu sein. So wurde nun eine neue Regelung gesucht. Während Magistrat und Bürgermeister verständlicherweise eine Vereinslösung präferierten, blieben die
Altenstädter beim ursprünglichen Ansatz: „wir bauen die Grillhütte, sie wird und bleibt Eigentum der Stadt, ohne aber für den Steuerzahler Folgekosten zu verursachen“: Schließlich wurde auch eine Lösung gefunden und
war auch schon so gut wie beschlossen, als es noch einmal Bedenken aus Altenstädter Kreisen zu geben schien. Dies war eine schwierige Situation, die aber auch die Komplexität und Besonderheit des Projektes
reflektierte. Letztlich kam es doch zum glücklichen Ende, so dass im April die Vorbereitungen für die Einweihung erfolgen konnten. Bis heute wurde und wird noch an und um das Gebäude herum gearbeitet, aber die
Vermietungen laufen bisher sehr gut, die Grillhütte wird gut angenommen – wir hoffen, das bleibt auch dabei, wobei ich denke, dass es aufgrund der Verschiedenheit von Grillhütte, Dorfgemeinschaftshaus, Backhaus,
Heinrich-Schröder-Haus oder dem Angebot im Gasthaus Ritter nur zu wenigen Substitutionseffekten führt, das werden wir aber in Zukunft besser wissen. Ich komme zurück zum Bau und werde jetzt ein paar Daten nennen:
Das Gebäude besitzt einen großen Aufenthaltsraum, einen Nebenraum und jeweils Herren- und Damentoiletten auf einer Grundfläch von fast 140m². Hinzu kommen noch die Grillstation und die Außenanlage samt
Feuerstelle. Insgesamt halfen wie erwähnt über 80 Menschen aktiv am Bau mit, opferten viel Freizeit in insgesamt ca. 1.700 Stunden, ohne die für administrative Zwecke aufgewandten Stunden, und spendeten
teilweise sogar Material, wie z.B. die Pflastersteine an der Feuerstelle. Ein arabisches Sprichwort sagt, man kann die Menschen in drei Gruppen einteilen: Diejenigen, die unbeweglich sind, diejenigen, die beweglich
sind und diejenigen, die sich bewegen. Schön, dass es in Altenstädt so viele Bewegung gibt! Ich möchte hier keine Personen hervorheben, sicherlich gab es den einen oder anderen Dauergast hier unten, aber eine
Gewichtung würde hier sehr schwer fallen. Danke also an dieser Stelle allen Helfern – Applaus! Es gab aber auch die Enttäuschungen, das möchte ich nicht verhehlen, einige wenige „seilten sich ab“, ohne ein Wort
zu verlieren, und Werner hatte es auch manchmal schwer - vor allem aufgrund der relativen langen Bauzeit – Helfer zu motivieren. Die Firmen, die mit Arbeitsleistung, Material oder Barspenden geholfen haben,
möchte ich einmal vorstellen und somit Danke sagen: Einen besonderen Anteil an der Umsetzung hatten die Firmen Zimmerei Arend, Heizung und Sanitär Schreckert und Fensterbau Gabriel, aber auch Hans Franke mit
seiner alten und neuen Firma Energy-Glas waren besonders wichtig, um das Projekt schultern zu können. Im Außenbereich setzte Gartenbau Ralf Ritter besondere Akzente. Neben Ralf sind auch die Ein-Mann-Betriebe
Kunibert Jentzsch und Willi Steffen mit Willis Baggerservice zu nennen, die ungemein flexibel und unkompliziert geholfen haben. Ohne die Barspenden von PWK Knöbber, die Firma von Heinz Ritter, wäre wohl die
Grillstation nicht mehr zu stemmen gewesen! Für den weißen Anstrich sorgte unser Malermeister Bert Illgen. Erfreulich auch, dass Firmen von außerhalb schnell „JA“ sagten, als sie gefragt wurden: so wirkten die Firma
Kraft Metallbau aus Naumburg, Steinmetzmeister Uwe Bächt und Bedachungen Peter Werner, beide aus Elbenberg, und Dachdeckermeister Roland Steinfath aus Wolfhagen mit. Gute Konditionen gab es bei der Raiffeisen,
bei der wir insgesamt bis heute über 13.000€ umsetzten, hierbei Danke an Ralf Döring. Weiter Unterstützung gab es von der Firma Brede aus Hoof, JPS-Webdesign aus Altenstädt, Küchenbau Kimm, Getränke
-Mander und Fleischerei Döring. Eine Tafel in der Hütte weißt auf die Unterstützer hin. Last but not least: Auch die Stadt Naumburg, hat neben kleinerer Unterstützungen während der
Bauphase und bei der Regulierung dieses Objektes mit einer Rohholzlieferung aus dem Stadtwald mit einem Wert von in Vollkosten ca. 10.000€ zum Gelingen beigetragen. Ich hoffe, ich habe nun niemanden
vergessen. Diese Menschen alle zusammen haben dieses Bauwerk vollendet, dafür an dieser Stelle herzlichen Dank – Ihr habt Euch alle, jeder Einzelne von Euch, ein kleines Denkmal gesetzt und könnt stolz darauf sein.
Die größte Unbekannte war – wie erwähnt - die Finanzen. Am Ende wurde bis heute fast 27.000€ ausgegeben, von Genehmigung bis hin zur Dachziegel. Davon, das möchte ich auch betonen, gingen alleine über
5.000€ wieder in Form von Umsatzsteuer an die Staatskasse! Den Gesamtwert der Anlage schätzen wir auf gute 100.000€, der als Bilanzwert die Vermögensseite der Stadt aufbessern wird. Zum Schluss
auch ein Wort an die Pessimisten und Zweifler: Das Projekt war und ist ein Risiko, auch ich habe ein paar weitere Haare verloren beim Umschiffen gefährlicher Klippen – insofern kann und muss man Kritik Ernst nehmen.
Vielleicht passt hier der Spruch: „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“ Ich hoffe aber, dass ähnlich wie beim Dorfgemeinschaftshaus und dem Backhaus, am Ende auch hier die Ablehner
gefallen an dem Angebot in unserem Dorf finden werden – sie sind dazu jedenfalls herzlich eingeladen. Ich bin am Ende
– dieser Grillhütteneinweihungsrede angelangt, ich hoffe, ich habe nicht zu viel geredet, ich hoffe aber noch mehr, dass ich nichts Wichtiges vergessen habe – das darf man dann gerne noch nachreichen!
Ich darf jetzt einem Menschen doch noch besonders hervorheben, ich denke, Ihr könnt Euch denken wen! Ich möchte Werner Gerhold besonderen Dank aussprechen, die Grillhütte ist irgendwie auch sein Baby. Und da
Babies auch viel Arbeit machen und oft unruhige Nächte bescheren, habe ich kleines Präsent als Dankeschön für Dich, lieber Werner, und Deine Frau Christa besorgt, dass symbolisch einen kleinen Ausgleich für Eure
Mühen und Eure Zeit bringen soll. Soviel darf ich verraten, es hat mit Erholung zu tun! Bevor wir zu weiteren Enthüllungen kommen, darf ich nun Herrn Bürgermeister Stefan Hable um sein Wort bitten.
So,
solche Dorfprojekte haben noch einen Vorteil: Talente treten plötzlich an die Öffentlichkeit: so wussten wir gar nicht mit welch künstlerischen Fähigkeiten Alexander Feil in der Holzbearbeitung aufwartet. Wir werden
nämlich jetzt den Namen preis geben, der auf ein Holzbrett von ihm eingebrannt wurde und nun hier an der Vorderseite enthüllt werden soll. Wir hatten insgesamt etwa 10 Namensvorschläge bekommen, der Ortsbeirat
hat am Ende eines ausgewählt, was aus den Reihen der Projektgruppe stammte. Dies sicherlich nicht, um einen versprochenen Preis einzusparen, er hatte einfach mit großem Abstand die anderen Namensvorschläge hinter
sich gelassen. Werner, Du darfst Dir jetzt eine Dame aussuchen, die das Holzbrett und somit den Namen enthüllen wird. Dann haben wir noch eine Enthüllung, da weiß ich auch nicht, was auf uns wartet: der
Sandstein vor dem Haus, bei dem Ralf Ritter seine Idee umgesetzt hat, wurde vom Steinmetzmeister Uwe Bächt aus Elbenberg behauen. Mal sehen, was uns da erwartet.
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